Sonntag, Juli 22, 2007

Membranen und Weltenscharniere

Ein weiteres Buch, das ich im Urlaub endlich durchgelesen habe, ist "synthetic Worlds" von Edward Castranova (das Weihnachtsgeschenk eines geschätzten Kollegen). Es geht um "Business and Culture of Online Games". Profund, nett und flott geschrieben.

Ein Grundgedanke von Castranova ist die "Durchlässigkeit" zwischen virtuellen Welten und der "realen" Welt. Er benutzt dabei das Bild einer permeablen Membran und gibt auch eine Reihe Beispiele, die das anschaulich belegen (wen's interessiert, der soll es lesen).

Dieses Bild wird inzwischen offensichtlich auch an anderen Stellen verwendet. Man hat auch schon ein Tool für das Durchdringen der Membran gefunden: "Mittels Sensoren, Lautsprechern oder Display-Ansteckern sollen Online-Welten wie Second Life oder World of Warcraft mit der realen Umgebung der Spieler verwoben werden. Dreh- und Angelpunkt ist das Mobiltelefon." Es fällt dort sogar der Begriff "Weltenscharnier". Wie eng verwoben bereits beide Welten sind, kann man z.B. hier lesen.

In dem Buch von Castranova findet man zum Thema Avatare z.B. diese Stelle: "Our body motions could send commands to avatars who then perform the required search and retrieval tasks. What could be more intuitive than to browse the net by having the avatar actually browse an imaginary library?"

Genau dieses Beispiel habe ich (wirklich zufällig) vor einiger Zeit als paradoxe Endversion der Web Navigation beschrieben. Das mag ja intuititv sein, aber wo wäre der Vorteil, wenn ich auch im virtuellen Leben genau das machen muss wie im "realen" Leben?

Wenn ich in einem Buch nachschlagen will, dann gehe ich ans Bücherregal. Wenn ich im Web etwas finden will, dann klicke ich irgendwo drauf und dann will ich die entsprechende Info haben. Dann will ich NICHT SO TUN müssen, als würde ich an ein Bücherregal gehen und in einem Buch nachschlagen.

Auch dieser Aspekt wird ansatzweise bereits im Web diskutiert: "SPIEGEL ONLINE [...] klärt die Frage, ob der Mensch noch die Kreatur kontrolliert oder schon umgekehrt."

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