Sonntag, Oktober 28, 2007

Musikkassetten und Grenzwellen

Ich bin nach längerer Zeit mal wieder auf meine alten Musikkassetten - oder muss ich Audio Tapes sagen? - im Keller gestoßen und lasse die jetzt mal wieder "durchlaufen" (das weckt Erinnerungen und ist gut für die Bänder). Im Vergleich zu digitalen Speichermedien ist das inzwischen geradezu eine vorsintflutliche Technologie. Welcher mechanische Aufwand für die Kassettengehäuse und die Bandführung!

Und darum bin ich sehr angenehm von der immer noch hohen Wiedergabequalität überrascht. Immerhin sind viele Aufnahmen davon über 12 Jahre alt. Ich habe übrigens den Eindruck, dass sich Musikbänder deutlich länger und besser halten als Videotapes (ja - habe ich auch noch...).

Zur Zeit laufen Aufnahmen der legendären Radio ffn "Grenzwellen". Das ist das Ergebnis jahrelanger Aufnahmearbeit vieler Sonntagabende zwischen 22:00 und 24:00 Uhr. So richtig mit Band einmessen, am Radio sitzen und Record/Pause-Taste drücken und so. Kinders - waren das Zeiten!

Allzeit bereit

Ich gehöre ja bereits beruflich zu einer Bevölkerungsgruppe, die eine hohe Erreichbarkeit (auch im Sinne von Arbeitsverfügbarkeit) und Kommunikationsfrequenz hat. Und ich denke, ich kann da auch gut mit umgehen. Es ist natürlich trotzdem keine neue Erkenntnis, dass dauernde Erreichbarkeit und Präsenz die Gesundheit gefährden können. Der ZEIT-Artikel Wie wollen wir leben? beschäftigt sich mit den gesellschaftlichen Auswirkungen dieser Thematik:

"Nach dem ersten freudigen Staunen darüber, welche Möglichkeiten diese Technikrevolution eröffnete, wird nun deutlich, dass Arbeitsplatzangst und der Stress der dauernden Erreichbarkeit eine ungesunde Mischung ergeben: Arbeit entgrenzt sich völlig, schwappt ins Wochenende und in den Urlaub, in die Nächte und ins Familienleben."

Natürlich tauchen in dem Artikel auch die Modeworte Entschleunigung und Work-Life-Balance auf. Aber - es heißt auch ganz richtig:
"Naive Sozialromantik? Darin wäre eine Bewegung für Langsamkeit nicht unverwandt den einst frisch gegründeten Grünen, die sich ja nicht auf Atomausstieg und Nachrüstung beschränkten, sondern einen sozialen und umweltfreundlichen Lebensstil repräsentierten. Heute gehören viele »alternative« Ex-Spinnereien zum Mainstream einer ökologisch verantwortlichen Bürgerlichkeit. Warum sollte das mit einem ähnlich existenziellen Thema nicht noch einmal gelingen können, wenn die Zeit reif ist?"

Ich bin mir sicher, dieses Thema wird Politik und Gesellschaft - also uns alle - noch viel beschäftigen.

Wahres Leben

In der W&V Nr. 42 ist ein Bericht über ein geplantes TV-Format, in dem das "wahre Leben" gezeigt werden soll.

"In der Wohnung oder im Geschäft werden mehrere bewegliche Hightech-Kameras installiert. Diese halten den Alltag fest, es gibt kein Skript und kein Drehbuch. Zusätzlich sind Reporter mit einer Kamera unterwegs und können am Ort Stimmen und Stimmungen einfangen."

Hmm - ganz so originell finde ich das bei all den Wir-begleiten-Leute-im-wahren-Leben-Dokus nicht und vor allem lange nicht so konsequent, wie das Justin.TV schon seit längerem treibt. Dass man dieses Format nun auch ins Fernsehen bringen will zeigt allerdings, wie richtig Justin mit seiner Idee lag.

Guter Geschmack geadelt

In einem Spiegel Online Bericht erzählt Vicco von Bülow alias Loriot, welche deutschen Künstler er schätzt:

"Beispielsweise sei Olli Dittrich "ein Mann, den ich hervorragend finde", sagte Loriot. Auch die Arbeit von Piet Klocke etwa schätze er. Beide seien "Leute, die aus der Sprache kommen", deren Arbeit von "Ruhe und Ernst" geprägt sei."

Na - wenn dieses Urteil vom Goßmeister des feinen Hunors meinen Geschmack nicht adelt! Beide gehören zu den wenigen deutschen Komikern (?), Comedians (?), die ich selber gerne sehe. Also "Ditsche" von Olli Dittrich ist schon eine schräge Nummer. Piet Klocke habe ich schon mal live gesehen. Sein "Scheitern als Weg" ist ebenfalls große Klasse.

Sonntag, Oktober 21, 2007

Wider besseren Wissens

Vor kurzem hatte ich über die Macht des Affekts über unser Verhalten gepostet. Jetzt gab es wieder einen experimentellen Beleg für dieses Phänomen: "Menschen glauben eher Klatsch als Wahrheit".

Das passt zu Befunden, die ich kürzlich bei Eibl-Eibesfeldt in Die Biologie des menschlichen Verhaltens gelesen habe. Dort gibt er eine evolutionsbiologische Erklärung für die nur schwer zu verstehende Erscheinung, dass "von Eltern misshandelte Kinder im allgemeinen eine sehr starke Bindung an die Eltern haben..." Ein Thema, dass in den letzten Monaten durch viele Presseberichte aktuell ist.

"Strafreize wirken nicht immer abdressierend. [...] Submission ist eine Antwort auf Strafreize, die von Artgenossen kommen. Durch Submission entzieht man sich weiteren Mißhandlungen. Ähnlich zeigen von Müttern mißhandelte Kinder keineswegs immer Meidereaktionen. Vielmehr erweisen sie sich in der Regel als stark an die Mutter gebunden. [...] Solches Verhalten ist unter natürlichen Bedingungen adaptiv, denn bei Schmerz sucht man am besten bei der Mutter Schutz."

Es blieb über die längste Zeit der menschlichen Evolution einem Kind gar keine andere Überlebenschance, als sich trotzdem der Mutter anzuschließen. "Alleine ginge das Kind sicherlich zugrunde." Und das ist bis heute so in unserem Verhalten angelegt. Man mag zu Eibl-Eibesfeldt stehen, wie man will (er ist umstritten in seinen Ansichten), aber diese Argumentation finde ich nachvollziehbar.

Noch einen Aspekt finde ich interessant: "...vom Menschen wissen wir, daß Angst das Bedürfnis nach einer starken, führenden Persönlichkeit wachruft. In Diktaturen nützt man diese Bindung über die Angst. [...] Daher sind Erwachsene unter Angst ideologisch leichter umdrehbar. [...]" Man wird "einem Menschen ängstliches Verhalten kaum durch Strafreize abgewöhnen können." Aber man kann aufgrund der gleichen Mechanismen Angst und Unterwürfigkeit durch Strafe verstärken und das kennen wir ja zu Genüge.

Laufen gegen die Vergesslichkeit

Bei Spiegel Online fand ich diesen Artikel über den "Kampf gegen das Altern im Kopf". Da heißt es "Alterungsprozesse sind normal - man kann sie nicht verhindern. Wohl aber aufschieben. Und jeder altert anders. [...]"

"Körperliche Betätigung, da sind sich alle Wissenschaftler einig, ist das bislang bestuntersuchte und belegte Rezept gegen das Altern im Kopf. Eine Studie ergab, dass sich das Gedächtnis 72-Jähriger verbesserte, die ein Laufprogramm begannen. Dreimal die Woche Laufen ergab bereits eine Annäherung ihrer Hirnaktivitätsmuster an jüngere Leute."

Da passt es ja gut, dass ich in diesem Jahr so häufig gejoggt bin wie schon Jahre nicht mehr. Ich muss es nur noch auf drei Mal pro Woche bringen...

Samstag, Oktober 20, 2007

Wie man nicht gesehen wird

Den Artikel "UNSICHTBARE OBJEKTE - Mathematiker entwirft Tarnzylinder" wollte ich schon letzte Woche hier posten, hatte aber entweder keine Zeit oder keine Lust. Darum kommt er etwas spät, aber immer noch rechtzeitig. Denn bei dieser Technologie läuft die Zeit (noch) nicht weg, aber sie schreitet offensichtlich voran.

Im Moment kann ich mir "Unsichtbarkeit im Einsatz" nur schwer vorstellen. Das gehört so ähnlich wie Zeitreisen zu den Dingen, wo der Verstand (oder das Gefühl?!) mir sagt "Das wird nie gehen". Aber die Implikationen in dem Beitrag erscheinen mir auf jeden Fall plausibel. Und ich bin mir sicher, WENN das geht, dann WERDEN das auch kluge Köpfe früher oder später praxisreif entwickeln (das wird wohl auch für Zeitreisen gelten).

Vor 100 Jahren konnte sich auch keiner vorstellen, dass man zum Mond fliegt. Wenn man dann noch bedenkt, wie schnell sich Technologien heute entwickeln... Unter dem Aspekt erscheint mir eine Einsatzreife der beschriebenen Unsichtbarkeitstechnologie innerhalb von 50 Jahren durchaus denkbar. Ich denke, dass heutige Technologien ("Stealth") sogar schon in diese Richtung gehen.

Auch der von mir heiß geliebte Sketch "
Wie man nicht gesehen wird" aus Monty Pythons wunderbare Welt der Schwerkraft erhält so eine ganz andere Dimension.

Sonntag, Oktober 14, 2007

Leben auf Pump

Nach einem Artikel bei Telepolis lebt die Menschheit seit dem 6. Oktober 2007 auf Pump von den Ressourcen der Erde. Bis dahin haben wir von den Erträgen gelebt, jetzt geht es an die Substanz.

Keine Ahnung, ob das so stimmt, aber trotzdem ein Artikel, der zum Nachdenken anregt und der gut zur aktuellen Berichterstattung Sachen Klimawandel, Ressourenausbeutung, etc. passt. Und er ist erschienen, noch bevor der Friedensnobelpreis an Al Gore et al. gegangen ist.

Freitag, Oktober 12, 2007

Kleider machen Musik

Kleider machen nicht nur Leute, sondern auch Musik. Weil mir mein iPod zu schwer für die Brusttasche ist, zu groß für die Hosentasche und ich auch nicht immer einen Gürtel zum Anklipsen trage, ziehe ich häufig beim iPod-Hören eine Weste an. Dort kann ich das Teil bequem unterbringen und tragen. Ist schon interessant, dass so ein Gadget den Kleidungsstil beeinflussen kann.

Leben 2.0

Ich hatte drei Wochen Urlaub und habe Blog Blog sein lassen. Jetzt habe ich wieder was. Heute wurde in RTL Aktuell die Videoaufnahme eines Unfallopfers gezeigt, das seinen eigenen tödlichen Unfall gefilmt hat. Es handelte sich um ein illegales Autorennen auf der Autobahn und war wohl nicht die erste Aufnahme dieser Art des 20 Jährigen - aber seine letzte.

Da ist mir wieder klar geworden - es wird ALLES (irgendwann und irgendwie) gefilmt und es wird auch ALLES (irgendwann und irgendwo) gezeigt. Überall kann man dabei sein: Leben 2.0.