Sonntag, Oktober 21, 2007

Wider besseren Wissens

Vor kurzem hatte ich über die Macht des Affekts über unser Verhalten gepostet. Jetzt gab es wieder einen experimentellen Beleg für dieses Phänomen: "Menschen glauben eher Klatsch als Wahrheit".

Das passt zu Befunden, die ich kürzlich bei Eibl-Eibesfeldt in Die Biologie des menschlichen Verhaltens gelesen habe. Dort gibt er eine evolutionsbiologische Erklärung für die nur schwer zu verstehende Erscheinung, dass "von Eltern misshandelte Kinder im allgemeinen eine sehr starke Bindung an die Eltern haben..." Ein Thema, dass in den letzten Monaten durch viele Presseberichte aktuell ist.

"Strafreize wirken nicht immer abdressierend. [...] Submission ist eine Antwort auf Strafreize, die von Artgenossen kommen. Durch Submission entzieht man sich weiteren Mißhandlungen. Ähnlich zeigen von Müttern mißhandelte Kinder keineswegs immer Meidereaktionen. Vielmehr erweisen sie sich in der Regel als stark an die Mutter gebunden. [...] Solches Verhalten ist unter natürlichen Bedingungen adaptiv, denn bei Schmerz sucht man am besten bei der Mutter Schutz."

Es blieb über die längste Zeit der menschlichen Evolution einem Kind gar keine andere Überlebenschance, als sich trotzdem der Mutter anzuschließen. "Alleine ginge das Kind sicherlich zugrunde." Und das ist bis heute so in unserem Verhalten angelegt. Man mag zu Eibl-Eibesfeldt stehen, wie man will (er ist umstritten in seinen Ansichten), aber diese Argumentation finde ich nachvollziehbar.

Noch einen Aspekt finde ich interessant: "...vom Menschen wissen wir, daß Angst das Bedürfnis nach einer starken, führenden Persönlichkeit wachruft. In Diktaturen nützt man diese Bindung über die Angst. [...] Daher sind Erwachsene unter Angst ideologisch leichter umdrehbar. [...]" Man wird "einem Menschen ängstliches Verhalten kaum durch Strafreize abgewöhnen können." Aber man kann aufgrund der gleichen Mechanismen Angst und Unterwürfigkeit durch Strafe verstärken und das kennen wir ja zu Genüge.

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