Freitag, Januar 25, 2008

Jedem, was er verdient

Ich hätte nicht gedacht, dass ich so schnell im weiteren Sinne auf das Thema Zivilcourage zurück komme. Anlass ist ein Leserbrief von Burkhard M. , Oerlinghausen, zum Thema "Koch entfacht Streit um Ausländer" in der Neuen Westfälischen von heute.

Ich habe mich über diesen Leserbrief tierisch aufgeregt. Zuerst einmal schlägt Burkhard M. ernsthaft vor, Täter im Knast per Webcam beobachten zu können. Opfer umsonst, übrige Bürger zahlen dafür eine Gebühr. Einnahmen gehen an die Opferhilfe. Nun gut - Herr M. kann über das Thema denken und schreiben, was er will. Aber bei einem weiteren Vorschlag von ihm hört der Spaß auf: "Die Möglichkeit, dem Verbrecher per Mausklick einen kostenpflichtigen Stromstoß versetzen zu können, dürfte die Schadensregulierung dramatisch beschleunigen."

Ich frage mich, ob das jemand in der NW-Redaktion aufmerksam gelesen hat. Das ist der Ruf nach Lynchjustiz! Ich vermute, diese Äußerung ist nicht strafbar, aber für mich ist das ein klarer Angriff auf geltendes Recht. Vor diesem Hintergrund wird auch seine in anderem Zusammenhang benutzte Formulierung "knüppelharte Erziehungscamps" eindeutig.

Herr M. fragt an einer Stelle "wer könnte dagegen etwas haben?". Nun - ICH habe etwas dagegen und habe darum sowohl der NW als auch dem besagten Herrn M. (steht im Telefonbuch) einen Brief geschrieben. Damit will ich übrigens NICHT behaupten, ich hätte besondere Zivilcourage bewiesen (da gehört schon mehr zu). Doch ich hoffe, dass viele Menschen sich so einer Geisteshaltung entschieden entgegen stellen.

Mit der Einstellung von Burkhard M. ist es sicher hart, in einem Land leben zu müssen, das Lynchjustiz und Folter verbietet. Aber wie schreibt er selber so schön: "Jedem, was er verdient."

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