Samstag, Januar 05, 2008

Leben oder Arbeiten?

Meine Anmerkungen über die tägliche Fahrzeit zur Arbeit berühren ein Thema, über das vor kurzem ein längerer Beitrag in der ZEIT erschien: Es geht um "Leben und Arbeiten".

Die zentrale These dort lautet "Wir bleiben nur wettbewerbsfähig, wenn wir lernen, Leben und Arbeiten besser miteinander zu verbinden."

Erst einmal: Diese Alternative ist keine, denn sie stellt ganz unterschiedliche Kategorien gegenüber. Die Alternative zu Leben ist Nicht-Leben (dieser Zustand ist als Tod relativ eindeutig) und die Alternative zu Arbeit ist Nicht-Arbeit (dieser Zustand ist überhaupt nicht eindeutig). Wir leben ja auch bei der Arbeit. Da muss man nichts miteinander verbinden. So viel Wortklauberei muss sein.

Aber gerade die (falsch verwendete) kategorische Gegenüberstellung von Leben und Arbeit zeigt, welche zentrale Bedeutung Arbeit in unserem Leben hat. Doch wie sieht eine optimale Integration von Arbeit in das persönliche Leben aus? Grundsätzlich geht es um die Balance zwischen zwei extremen Arbeitsmodellen:
  1. Feste Arbeitszeit und meistens auch fester Arbeitsort. Klare Trennung von Arbeitszeit, Arbeitsort und Nicht-Arbeitszeit, Nicht-Arbeitsort. In der Nicht-Arbeitszeit nicht für den Job (z.B. Firma, Kunde) erreichbar.
  2. Flexible Arbeitszeit und oft auch flexibler Arbeitsort (Home Office, beim Kunden). Unscharfe Trennung von Arbeitszeit und Nicht-Arbeitszeit. Hohe Erreichbarkeit für den Job (z.B. Firma, Kunden)
Meine persönliche Bewertung dieser beiden Modelle geht ein wenig hin und her. Modell 1 ist in meinem Job eigentlich nicht möglich und entspricht auch nicht meinen Ambitionen. Darum ist schon aufgrund meiner Tätigkeit die Balance ganz klar zum Modell 2 verschoben. Und besonders die vernetzte Kommunikation und das überall-jederzeit-fast-alles-machen-können haben schon ihren Reiz. Einen extremen und neuen Weg geht dabei amerikanische Elektronikkette Best Buy. Dort gibt es überhaupt keine festen Arbeitszeiten mehr.

Trotzdem sehe ich auch die Gefahren für Leib und Sele, wie sie auch in dem ZEIT Artikel beschrieben werden. "Statt Erleichterungen zu bringen, wie versprochen, haben Computer und Kommunikationsgeräte die Probleme noch verschärft. Die wired workers, so hat sie der britische Soziologe Anthony Giddens einmal genannt, kämpfen gegen Datenfluten. Sie haben Geräte in den Taschen, die sie rund um die Uhr erreichbar machen und die auch noch ständig piepen. " [...] Wir sind in den vergangenen Jahren alle ein bisschen crazy geworden [...] haben eine Welt geschaffen, in der wir nicht mehr leben können. Gestresste Menschen. Überstimuliert. Ausgelaugt. Weit entfernt von der »kreativen Befindlichkeit«, die eigentlich alle anstrebten."

Es gehören Souveränität und persönliche Emanzipation dazu, auch mal zu sagen "Schluss jetzt." Darum sind meiner Meinung einige Elemente aus dem Modell 1 durchaus sinnvoll. Wieviel davon jemand braucht, muss jeder mit sich selber abmachen. Und mit seinem privaten Umfeld, denn das spielt ebenfalls eine wichtige Rolle dabei, welche Optionen man hat.

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