Samstag, April 26, 2008

Tollpatsch in Deutschland

Ich habe bereits häufiger im privaten Umfeld über den Gebrauch vermeintlicher Fremdworte im Deutschen diskutiert. Da geht es natürlich immer wieder über das viel genutzte "Denglisch" und den Verfall der deutschen Sprache. Dahinter steht in meinem Bekanntenkreis kein national politischer Chauvinismus, sondern eine kulturell sprachliche Einstellung.

Meine Einstellung dazu ist ganz klar: Sprache hat sich immer an die Lebensumstände angepasst und wird das auch weiterhin tun. Wenn das nicht so wäre, dann würden wir immer noch reden und schreiben wie vor 100 Jahren (200? 300? 500?). Künstliche Schranken gegen das "Eindringen" neuer Worte und Sprachformen funktionieren sowieso nicht. Wer soll denn bestimmen, welche Worte wie und wann und wie lange korrekt sind? Selbst der Duden nimmt immer neue Worte in den Sprachschatz auf.

Ich habe mal gelesen, dass es etwa 300.000 Worte mit "Migrationshintergrund" in der Deutschen Sprache gibt. Viele erkennen wir gar nicht mehr als "eingedeutscht". Da passt die Meldung Das beste eingewanderte Wort sehr gut:

"Sobald von eingewanderten Wörtern die Rede ist, denkt der eine oder andere gleich an einen drohenden Verfall der deutschen Sprache", sagt Katharina von Ruckteschell, Leiterin der Sprachabteilung des Goethe-Instituts. Gerade deshalb rief das Institut einen Wettbewerb aus - auf der Suche nach dem "besten eingewanderten Wort", dem schönsten Wort mit Migrationshintergrund. [...] Der Gewinner steht jetzt fest: "Tollpatsch", aus dem Ungarischen ins Deutsche eingewandert, überzeugte die Jury am meisten."

Die Idee mit diesem Wettbewerb finde ich richtig Klasse. Ich hätte auch nicht gedacht, dass Tollpatsch KEIN deutsches Wort ist. Und ich denke, das wissen auch die meisten nicht, die über die Verwendung "fremder Ausdrücke" im Deutschen lamentieren.

Freitag, April 25, 2008

Geiz war geil

Ich wundere mich ein wenig, dass keine Welle der Empörung wegen der "Jetzt kann sich jeder alles leisten"-Kampagne vom Mediamarkt entstanden ist. Das ist zwar nicht der neue Claim. sondern nur eine Kampagne, aber m.E. moralisch "problematischer".

Immerhin hält man beim Geiz die Kohle zusammen. Bei der "Null-Prozent-Finanzierung für alles" wird sich dagegen so mancher übernehmen. Ist mir persönlich auch egal. Geld raus hauen ist halt gut für die Wirtschaft.

Gleichstellung am Telefon

In Essen habe ich in einer Kneipe dieses Schild gesehen. War das der Gleichstellungsbeauftragte?

Sonntag, April 13, 2008

Energie Visionen

Jetzt sind wir schon zwei Wochen aus dem Osterurlaub (Spanien/Andalusien) wieder da und ich habe noch keine Zeile geschrieben. Vom Urlaub selber zu schreiben macht inzwischen auch schon keinen Sinn mehr. Fast schon verjährt. Die sieben Tage waren jedenfalls sonnig und warm (20°C +) im Vergleich zu den Oster-Temperaturen in Deutschland.

Eine Sache möchte ich aber doch loswerden, die mir seit dem Abflug durch den Kopf geistert. Schon beim Anflug auf den Flughafen Almeria fallen einem die Gewächshäuser in dieser Gegend auf. Über Quadratkilometer nur Gewächshäuser!















Aus dieser Region Spaniens heraus wird im Winter praktisch ganz Europa mit Gemüse versorgt. Das verschandelt zwar die Landschaft, aber ohne diese Gewächshäuser wäre da auch nur Wüste. Und wirklich schön ist diese Gegend auch ohne Gewächshäuser nicht. Das ist aber gar nicht das Thema und das habe ich nicht weiter hinterfragt.

Der Punkt ist, dass diese Gewächshäuser im Sommer nicht bewirtschaftet werden und leer stehen. Dann ist es dort einfach zu heiß und im Sommer kann Resteuropa auch auf den heimischen Feldern produzieren. Da fällt der dann Standortvorteil für eine Produktion in diesen Gewächshäusern weg. Und jetzt meine Vision:

Da stehen im Sommer Millionen Kubikmeter heiße Luft in diesen leeren Gewächshäusern nutzlos rum (und Rest des Jahres ist dort ebenfalls jede Menge warme Luft). Da muss doch was gehen in Sachen Energiegewinnung:
  • Die Treibhäusern über Rohre unter der Decke miteinander verbinden.
  • An zentralen Stellen Kamine (Schlotwirkung) zwischen die Treibhäuser bauen und mit den Rohren verbinden.
  • Dadurch wird ein Luftstrom erzeugt und in den Kaminen an Wärmeaustauschern oder Turbinen vorbeigeleitet.
  • Die Energie muss man dann "nur noch" speichern und verteilen.
Das ist vielleicht etwas naiv beschrieben, aber die Treibhäuser stehen sowieso dort rum. Das heißt, die wichtigste Infrastruktur zum Auffangen der warmen Luft (=Energie) ist bereits vorhanden. Warum sollte man die nicht das GANZE Jahr sinnvoll nutzen?! Nach meiner Einschätzung müsste das sogar mit relativ wenig Aufwand zu installieren sein, ohne die Pflanzenproduktion zu behindern. Der Knackpunkt wird die Energiespeicherung sein.

Ich habe diese Idee mal beim Kaffeetrinken bei einem Freund lanciert, der bei einem weltweit tätigen Unternehmen für Gebäudehüllen für den südeuropäischen Raum zuständig ist. Mal sehen, was daraus wird. Es darf dann aber von den Spaniern nicht so umgesetzt werden wie auf diesem Bild beim Austausch einer Stranddusche (einer arbeitet, vier stehen rum):