Mittwoch, Oktober 29, 2008

Joe die Persona.

Vor zwei Wochen geisterte nach dem dritten Fernsehduell zwischen John McCain und Barack Obama auf einmal Joe der Klempner durch die Medien und wurde weltberühmt. Joe der Klempner wurde über Nacht zur "Symbolfigur für den amerikanischen Mittelstand", sozusagen der neue Durchschnittsamerikaner. Unabhängig von den späteren Enthüllungen über Joe ist mir an der Nummer sofort etwas ganz anderes aufgefallen (konnte es aber nicht posten, weil ich im Krankenhaus lag):

Was McCain da gemacht hat entspricht ziemlich genau einer Methode, die erfolgeich beim Usability Engineering eingesetzt wird, um die Nutzer besser zu verstehen. Dabei geht es aus Entwicklersicht im Kern darum, die Position zu wechseln ("We are not the audience.") und sich konsequent (sic!) in den Nutzer hinein zu versetzen. Und das geht nun mal besonders gut, wenn man diesem einen Namen, ein Gesicht und eine Biografie gibt. Es hilft einfach ungemein, wenn man nicht an eine statistisch-sterile Zielgruppe denkt, sondern an "echte" Personen. Dieser Persona-Ansatz ist eine Methode des User Centered Design (UCD), die ich in Online Projekten bereits mehrfach begleitet habe.

Auch McCain hat erreichen wollen, dass man sich mit einer Person identifizieren kann, um seine Argumentation nachvollziehbar zu machen. Eigentlich gar nicht so dumm. Leider hat das nicht so ganz geklappt, weil Joe der Klempner letztlich doch nicht der Symbolfigur entsprach, die man für diesen Zweck gebraucht hätte.

Und genau hier liegt der entscheidende Unterschied zu einer Persona. Personas sind KEINE realen Menschen. Dennoch sind sie nicht aus der Luft gegriffen. Sie "stützen sich ... auf quantitatives und qualitatives Datenmaterial (Marktforschungsstudien, Interviews, etc.), und werden ... um narrative Elemente ergänzt, die sie zum Leben erwecken."

Hätte McCain eine "echte" Persona entsprechend der UCD-Methode für seine Argumentation heran gezogen, dann hätte seine Taktik besser funktioniert. Denn dann hätte Joe auf jeden Fall in idealer Weise die Zielgruppe repräsentiert.

Auf der anderen Seite hat es mich gefreut, dass der Persona-Ansatz durch den US-Wahlkampf auf höchster Ebene im Grunde "geadelt" wurde.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

naja, otto normalverbraucher ist so gesehen auch ne persona-look-a-like... mit den gleichen problemen...