Sonntag, September 27, 2009

Geschwätz, Dieter Kronzucker!

Vor kurzem beschäftigte sich die Johannes B. Kerner Show im ZDF mit dem Phänomen Twitter. An diversen Stellen im Web, z.B. hier, wurde vor allem die oberflächliche Art kritisiert, in der Kerner Twitter abkanzelt ("Braucht kein Mensch.").

In der Sendung war auch Urgestein Dieter Kronzucker. Er vertrat die Meinung: "Twittern, das ist eigentlich Geschwätz. Und wenn man das auf Deutsch Geschwätz nennen würde und nicht Twitter, dann würde man's nicht so ernst nehmen." Mit Verlaub, Herr Kronzucker, das verhält sich anders:

Twitter bedeutet genau so gut "Zwitschern, Geschnatter" und hat bei Tieren eine lebenswichtige Bedeutung. Auf diese Art "unterhalten" sich vor allem Vögel mit Artgenossen und tauschen wichtige Informationen aus. Man denke an die berühmten Stimmfühlungslaute, die dem Zusammenhalt in der Gruppe dienen. Abgesehen davon soll Geschnatter von Gänsen sogar schon einmal die Römer vor einem Angriff der Gallier gewarnt haben. Und es gibt viele andere Tierarten, in denen vergleichbare "Kurzmitteilungen" lebenswichtige Informationen für die soziale Gruppe sind.

Darum ist "Zwitschern" eine sehr treffende Metapher. Twitter ist schlicht und ergreifend einer von vielen Kommunikationskanälen. Und den kann ich mit Schwachsinn oder auch mit nützlichen Informationen füllen (wie das Fernsehen auch). Und - Herr Kronzucker - Kommunikation IST wichtig und sehr wohl ERNST zu nehmen (das Beispiel Iran nannte dann ja auch Steffen Seibert in der Sendung).

Donnerstag, September 17, 2009

Vertriebsarzt.

Als ich vor kurzem ein Rezept (Rücken Physiotherapie) beim Hausarzt abgeholt habe, sagte mir die Assistentin: "Der Herr Doktor würde Sie gerne einmal wieder in seiner Sprechstunde sehen. "Hatte ich da etwa einen fordernden Unterton gehört?! Das gab mir zu denken - und zwar zuerst "Was soll das denn?! Wird man jetzt schon zum Arzt zitiert? Außerdem - mir fehlt nichts."

Und dann habe ich mir bewusst gemacht, dass ein Arzt in erster Linie ein Dienstleister ist. Er bietet seine Leistung an und ich kaufe sie oder kaufe sie nicht. Ich MUSS ja nicht in die Sprechstunde. Ist ja meine freie Entscheidung. Und wenn man bedenkt, wie regelmäßig ich nach meiner Bandscheiben-OP wg. Nachsorge und ReHa bis vor einem viertel Jahr in die Sprechstunde musste, dann ist es doch so unverschämt eigentlich nicht, wenn er mal nachfragt?!

Natürlich hat sich die Sprechstundenhilfe ziemlich unglücklich ausgedrückt. "Wir bieten Ihnen bei Bedarf gerne eine individuelle Gesundheitsberatung an" hätte sich irgendwie besser angehört.

Na ja - ich finde es jedenfalls legitim, wenn ein Dienstleister sich um seinen Umsatz kümmert. Und wenn ich die Leistung annehme, habe ich ja auch was davon - z.B. Gesundheitscheck. Allerdings war mir eine so offensive Vertriebsstrategie bei einem Arzt noch nicht begegnet und vielleicht hatte mich nur das so irritiert.