Samstag, Februar 12, 2011

Ägypten und das Moralische.

Wie fast die ganze Internetgemeinde habe auch ich die Entwicklung der letzten zwei bis drei Wochen in Ägypten zeitnah verfolgt - vor allem über twitter. Und auch wenn mich das persönlich nicht ganz so berührt hat wie offensichtlich andere Menschen in der Timeline, so war mir die ganze Zeit klar, dass wir da gerade eines dieser "historischen Ereignisse" beobachten.

Mit dem Wort "beobachten" fangen dann aber auch schon meine Probleme mit dem allgegenwärtig medialen Zugang zu den Ereignissen an. Da sitzt man warm und sicher vor seinem Rechner oder vor dem Fernseher und schaut mit teilnehmendem Schauer dem Kampf dieser Menschen um ein freies, selbstbestimmtes Leben zu. Vor meinen tagesschauenden Augen riskieren dort die Menschen Gesundheit und Leben. Ich riskiere nichts. Im Übrigen muss ich danach auch die nächste Kundenpräsentation vorbereiten. Trotzdem ist es sicher besser, die Menschen werden weltweit Zeugen von diesen Vorgängen, als dass ein Regime in aller Stille Reformbewegungen unterdrücken kann. Ohne die weltweite Zeugenschaft wäre das wahrscheinlich auch nicht so gut ausgegangen.

Eine Sache hat mich aber ziemlich genervt. Auf einmal wissen viele Leute, wie schlimm das alles in Ägypten schon lange war und werfen Medien, Politik und Wirtschaft Untätigkeit bis zur Kumpanei vor. Es ist im Nachhinein ein Leichtes, von Schreibtischstuhl und Fernsehsessel aus die Moralkeule zu schwingen. Ich wette jedoch, dass sich nur wenige von diesen Kritikern schon VOR den Ereignissen der letzten zwei Wochen aktiv um das Thema Ägypten gekümmert haben. Das nimmt diesen Stimmen nicht das Recht in der Sache, aber mindert ihre Berechtigung, andere dafür zu verurteilen, nichts oder zu wenig unternommen zu haben.

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