Samstag, Mai 28, 2011

Ehrliche Selbsteinschätzung.

In seinem Tagebuch schreibt Samuel Pepys, Staatssekretär im englischen Marineamt, am 10. September 1664 über die Situation kurz vor einem drohenden Seekrieg mit den Holländern:

"Nicht einer im Amt scheint auch nur zu ahnen, was es bedeutet, einen Krieg führen zu müssen. Man sollte uns alle hinauswerfen und durch fähige Männer ersetzen."

Nun gut, es war ein geheimes Tagebuch und Samuel Pepys hat auch nicht um seine Entlassung in dieser Situation gebeten... Trotzdem finde ich diese ehrliche Selbsteinschätzung sehr bemerkenswert. Vielen Menschen würde es schwer fallen, sich selber einzugestehen, dass man für eine Aufgabe ungeeignet ist. Und es spricht dafür, dass man für bestimmte Aufgaben eigens zusammengestellte Teams braucht. Mit einer Standardbesetzung funktioniert das nicht immer.

Sic transit gloriam mundi.

Als ich nach Ostern in Berlin war, habe ich zum ersten Mal seit Jahren auch die Gegend um den Alex herum besucht. Dabei habe ich zum ersten Mal die große Grünfläche gesehen, wo einst der Palast der Republik stand. Als ich das letzte Mal dort war, wurde das Gebäude gerade entkernt und abgerissen. So ist das mit der Vergänglichkeit. Heute sieht es dort im Vergleich zu damals deutlich freundlicher aus.








































(Fotos: das oberste Foto stammt von hier, die beiden anderen Fotos stammen von mir)

Mittwoch, Mai 18, 2011

Nix verstehen, aber entscheiden.

Ich lese seit einiger Zeit die geheimen Tagebücher von Samuel Pepys, in denen die Zeit zwischen 1660 und 1669 taggenau und lückenlos erfasst ist. Spannende Lektüre! Samuel Pepys war u.a. Staatssekretär im englischen Marineamt. Am 6. Februar 1663 berichtet er in seiner typischen Offenheit von folgender politischer Entscheidung:

"Ging zu Lord Sandwich, wo der Tanger-Ausschuss über den Vertrag für die Mole beriet, von dem ich behaupte, dass keiner der Anwesenden ihn verstanden hat, und doch bewilligten sie alles, was Mr. Cholmly und Sir J. Lawson, die für den Bau verantwortlich sind, forderten, und ich hinderte sie nicht, denn ich verstand ihn auch nicht."

Ich werde das Gefühl nicht los, dass bis heute viele politische Entscheidungen auf der gleichen Basis getroffen werden.